News
© Huger / AustriaTech
AustriaTech AustriaTech auf Facebook AustriaTech auf Twitter AustriaTech auf LinkedIn AustriaTech auf Xing AustriaTech auf YouTube

Automatisierte Mobilität passiert schrittweise

Vertrauen in Automatisierungslevel sukzessive aufbauen

10.09.2019

Der BürgerInnen-Dialog zu automatisierter Mobilität hatte nicht nur zum Ziel, Hoffnungen und Befürchtungen der TeilnehmerInnen abzufragen, sondern auch Wissen zu aktuellen Technologien zu vermitteln und aufzuklären. Denn nur durch Wissen kann Vertrauen in so einschneidende neue Entwicklungen aufgebaut werden. Die Stufen der Automatisierung –  die sogenannten SAE-Levels – spielen dabei eine wichtige Rolle.

Die Gesellschaft der Automobilingenieure (SAE) hat verschiedene Levels der Automatisierung definiert. Schon heute können Autos mit den entsprechenden Fahrerassistenzsystemen den Abstand und / oder die Spur halten oder beispielsweise selbständig einparken. Die Automatisierung der Fahrzeuge hat somit bereits begonnen.

Bei den Automatisierungslevels 1 und 2 –  den Fahrerassistenzsystemen –  hat stets der/die FahrerIn die Kontrolle und Verantwortung über das Fahrzeug. Bei Level 3 liegt die Steuerung zwar beim System, der/die FahrerIn muss jedoch stets in der Lage sein, die Steuerung zu übernehmen, wenn er/sie dazu aufgefordert wird oder die Situation es erfordert. Fahrzeuge mit Level 4 und 5 können alle Fahrfunktionen selbst übernehmen und kommen somit ohne FahrerIn aus. Level 4 funktioniert allerdings nur unter bestimmten Wetter- und Verkehrsbedingungen sowie auf geeigneten Straßen. Level 5-Fahrzeuge hingegen funktionieren laut Definition immer und überall.

Strenggenommen ist anzunehmen, dass es Level 5-Fahrzeuge nie geben wird, während Level 4 ein sehr breites Spektrum abdeckt. Dieses reicht von fahrerlosen Shuttle-Bussen unter kontrollierten Bedingungen, wie sie bereits heute unterwegs sind, bis hin zu Fahrzeugen, die sich auch unter allen Wetterbedingungen in der ganzen Stadt gut zurechtfinden. Bei Level 4-Fahrzeugen müssen also immer sowohl das Einsatzgebiet als auch die Bedingungen genau definiert werden, das heißt konkrete Anforderungen an die Infrastruktur und die Straße müssen erfüllt sein.

Die TeilnehmerInnen wurden im Zuge der Veranstaltung um eine Einschätzung gebeten, wie wohl sie sich in Fahrzeugen mit den Automatisierungslevels 2 bis 5 fühlen (siehe Abbildung).

 

Wohlbefinden bei den Automatisierungslevels. Es sinkt mit aufsteigendem Level, ist also bei Level 2 am höchsten.

 

Das Ergebnis zeigt, dass das Vertrauen in die Technik bei den Teilnehmenden sehr hoch ist. 83 Prozent der Befragten fühlen sich in einem Fahrzeug mit Level 2-Funktionen wohl, zehn Prozent nicht. Bedenken bestehen weniger gegenüber der Technik als gegenüber der Frage, ob die FahrerInnen während der Fahrt stets aufmerksam bleiben und rechtzeitig eingreifen können, wenn es die Situation erfordert.

Bei höheren Levels gehen die Ansichten hingegen weit auseinander. Viele TeilnehmerInnen sind der Meinung, dass die Technik noch nicht ausgereift oder weit vom praktischen Einsatz entfernt ist. Manche zweifeln grundsätzlich daran, dass (voll-)automatisiertes Fahren je funktionieren kann. Umso mehr Erfahrung die TeilnehmerInnen bereits mit automatisierter Mobilität gemacht haben, desto weniger skeptisch stehen sie dieser gegenüber.

In Österreich wird derzeit in verschiedenen Städten und Gemeinden getestet. Beispielsweise ist der „Digibus® Austria“ seit April 2018 für drei Jahre in unterschiedlichen Orten testweise im Einsatz. Ebenfalls seit April 2018 kursiert der „auto.Bus“ für Probefahrten in der Seestadt, seit Frühjahr 2019 sogar mit Fahrgästen.

Die OptimistInnen sind der Meinung, dass eine Maschine viel weniger Fehler machen wird als Menschen und diese daher entlasten kann. Da die Teilnehmenden bisher zu wenig Erfahrung mit automatisierten Fahrzeugen sammeln konnten, möchten sie diese erst genauer kennenlernen und so Vertrauen in die Technik aufbauen. Während sich in Wien knapp 50 Prozent der TeilnehmerInnen in einem Fahrzeug mit Level 4-Funktionen nicht ganz wohl fühlen, sind es in den anderen Gemeinden durchschnittlich 17 Prozent. Mehr Awarenessbildung ist nötig, um diese Gruppe von den Funktionen der Automatisierung zu überzeugen. Auf der anderen Seite steht jedoch eine große Gruppe von Personen, die sich beim Gedanken an vollautomatisierte Fahrzeuge (sehr) wohl fühlt. Bei Level 4 sind es 53 Prozent, bei Level 5 immer noch 44 Prozent.

Abgesehen von der technologischen Machbarkeit spielen auch persönliche Vorlieben und Gewohnheiten eine Rolle. Die SkeptikerInnen möchten weiterhin selbstständig fahren und über das Fahrzeug sowie das Fahrgeschehen entscheiden können. Auch die Begründung, dass „Fahren ja Spaß macht“, ist aus den Ergebnissen des BürgerInnen-Dialogs herauszulesen. Es wurden Bedenken geäußert, die Kontrolle über das Fahrzeug an ein technisches System abzugeben und diesem somit völlig ausgeliefert zu sein. Daher ist es erforderlich, auch bei vollautomatischen Systemen die Möglichkeit zu haben, auf irgendeine Weise eingreifen zu können.

Kopfzerbrechen bereitet den Befragten der Mischverkehr. Kommen manuell gesteuerte mit halb- bis vollautomatisierten Fahrzeugen gut miteinander zurecht? Wie können sich die VerkehrsteilnehmerInnen darauf einstellen? AustriaTech ist hier auch in internationalen Projekten tätig, um sich genau dieser Frage zu stellen. So wird im EU-Projekt INFRAMIX erprobt, wie automatisiertes Fahren im effektiven Regelbetrieb ausschauen kann. Erste Tests auf Autobahnen laufen in Spanien im Herbst 2019. Drei Szenarien werden getestet:

  • das Auffahren auf die Autobahn,
  • Spurwechsel,
  • Reaktion bei Engpässen oder anderen ungeplanten Situationen.

AustriaTech erachtet es als wichtig, sich bereits heute mit Szenarien des Mischverkehrs zu beschäftigen. Die Automatisierung der Mobilität ist in jedem Fall ein längerer Prozess, in dem es die Technik zu entwickeln und kennenzulernen gilt, Vertrauen aufgebaut und die Bedeutung neuer Möglichkeiten für den Alltag erlernt werden muss. Der BürgerInnen-Dialog zu Automatisierter Mobilität hat die Sorgen der Bevölkerung aufgezeigt, auf die bei der weiteren Entwicklung Rücksicht genommen werden muss.

 

 

Mehr Infos zum BürgerInnendialog:

CitizensDebate Site

YouTube

 

Mehr Infos zu den Automatisierungslevels:

Wie automatisiert ist mein Fahrzeug?

 

Diese Seite verwendet Cookies, um Ihre Benutzererfahrung zu verbessern. Durch die Nutzung unserer Webseite erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Bitte lesen Sie unsere Datenschutzerklärung um mehr zu erfahren, wie wir Cookies verwenden und wie Sie diese verwalten können.