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Technologieoffenheit als Herausforderung in der E-Mobilität

25.05.2021

Wenn es um nachhaltige Mobilität geht, braucht es einen offenen Diskurs über die Stärken der jeweiligen Technologien für spezifische Anwendungsszenarien. Denn eine One-Size-Fits-All-Lösung gibt es nicht. E-Mobilität hat in den letzten Jahren gezeigt, welchen Beitrag sie zur Erreichung der Klimaziele leisten kann.

Neue Technologien stehen oft vor der Herausforderung sich erst gegen Zweifel und Misstrauen sowie anderen technologischen Entwicklungen durchsetzen zu müssen, bevor sie Fahrt aufnehmen können. Wenn Technologien einen Systemwandel initiieren oder begleiten und darüber hinaus eine Henne-Ei Problematik und auch „Richtungs-Unsicherheit“ besteht, verleitet das dazu, sich „alle“ Technologien offen halten zu wollen. Damit können einzelne Technologien dann aber wiederum zu wenig Fahrt aufnehmen.

Doch besonders bei technologischen Entwicklungen, die gravierende Auswirkungen in viele Aspekte unserer Gesellschaft und Wirtschaftswelt nach sich ziehen, ist es essenziell, möglichst früh gesammelt hinter bestimmten und wirksamen neuen Technologie zu stehen. Die oftmals auftretenden Spannungen zwischen Technologieoffenheit und Technologieklarheit können nur durch eine sachliche Argumentation, eine solide Faktenlage und klare Entscheidungen gelöst werden. Im PKW-Sektor ist dies nach vielen Jahren nun tatsächlich möglich – der batterieelektrische Antrieb hat sich durchgesetzt und wird den Löwenanteil in der PKW-Flotte der Zukunft stellen.

Die Umstellung zu mehr E-Autos hat begonnen

Die Klimaziele im PKW-Sektor des über allen nationalen Vorgaben liegenden europäischen Green Deals können nur mit einem konsequenten Wandel der Flotte auf batterieelektrische Autos erzielt werden – und darüber hinaus auch mit dem Verschränken der Antriebstechnologien mit einer effektiveren Nutzung von Fahrzeugen. Die Ankündigungen zahlreicher Hersteller, ihr Modellangebot zu einem großen Teil oder sogar komplett auf batterieelektrische PKW umzustellen, sowie das stetig wachsende Modellangebot folgen auf die Gesamtbetrachtung der Energieeffizienz und der Reduzierung der Flottenemissionen. Batterieelektrische PKW (BEV) erzielen im direkten Vergleich zu allen anderen Antriebsformen einen konkurrenzlos hohen Gesamtwirkungsgrad von bis zu 80% (Wasserstoff 30% und synthetische Kraftstoffe nur 13 %). Auch die aktuelle Ökobilanz des Umweltbundesamts zeigt: BEV verursachen bis zu 79% weniger Treibhausgasemissionen über den gesamten Lebenszyklus als konventionelle PKW. Um die Mobilitätswende so schnell und effizient wie möglich zu vollziehen, dabei aber keine anderen Sektoren außen vor zu lassen, ist es wichtig, wertvolle und teure Premium-Energieträger intelligent einzusetzen. Das bedeutet, dass Wasserstoff und E-Fuels überall dort eingesetzt werden sollten, wo es (noch) keine effizientere technologische Lösung gibt. Die Menge an grünem Strom, welche für die Umstellung auf eine emissionsfreie PKW-Flotte benötigt wird, ist nur für batterieelektrische PKW effizient erreichbar. Auch Fahrzeughersteller, wie z.B Volkswagen-Konzernchefs Herbert Diess sprechen klar über die Gefahr, die eine hingezogene Technologieoffenheit mit sich bringt: Nach Meinung von Diess haben sich batterieelektrische PKW durchgesetzt, und die weitere Diskussion um Technologieoffenheit zieht nach sich, dass „der notwendige Wandel zu nachhaltiger Mobilität verlangsamt wird“.

Batterieelektrische Fahrzeuge haben besonders in den vergangenen Quartalen klar gezeigt, dass sie unter den Neuzulassungen immer prominenter vertreten sind. Die Tatsache, dass BEV-Modelle seit einigen Monaten regelmäßig zu den zulassungsstärksten PKW gehören und konstant über 10% der Neuzulassungen ausmachen (bei einem starken Trend nach oben), spricht für sich. Während die Technologie reif ist, die Modellvielfalt stetig wächst und bereits sehr gute Erfahrungen zum Thema Zuverlässigkeit und Haltbarkeit gewonnen wurden, sinken auch die Kosten für die Fahrzeuge kontinuierlich. Batterieelektrische Fahrzeuge sind – besonders wenn man die vergleichsweise niedrigen laufenden Kosten miteinbezieht – auch für einkommensschwächere Haushalte bereits durchaus leistbar (laut Transport & Environment), was bei anderen noch nicht absehbar ist. Gerade wenn man sich Flotten ansieht, rentiert sich der Umstieg besonders dort, wo hohe Kilometerleistungen getätigt werden. Unter diesen Bedingungen ist das E-Fahrzeug heute schon „günstiger“ als ein konventionell betriebenes Fahrzeug.

Um rasch größtmögliche Wirksamkeit zu erzielen sollen öffentliche Gelder effizient genau da eingesetzt werden, wo sie für die Unterstützung der Mobilität der Zukunft und der Dekarbonisierung des Verkehrs den stärksten Hebel haben. Für den PKW-Sektor heißt das: Klarer Fokus der politischen Maßnahmen und Rahmenbedingungen auf batterieelektrische Fahrzeuge, Flotten und Serviceangebote! Der Aufbau von flächendeckender Infrastruktur kann nur dann erfolgen, wenn eine Technologie mit vollem Einsatz verfolgt wird. Hier ist es besonders wichtig, dass alle Stakeholder im Transformationsprozess – von der öffentlichen Hand über die Forschung bis hin zu produzierenden Unternehmen und Dienstleistern – besonders wirksame Maßnahmen priorisieren und der Mobilitätswende den nötigen Anstoß und Vorsprung schenken.

Am Ball bleiben

Für den Industrie- und Wirtschaftsstandort Österreich ist es ausschlaggebend, dass Unternehmen in der Forschung, Entwicklung und Produktion umfassende technologische Kompetenzen aufbauen – in allen Antriebstechnologien und entlang der gesamten Wertschöpfungskette – vermehrt jedoch im Bereich neuer Dienstleistungen und integrierter Serviceangebote. Österreichs Unternehmen im Bereich "Automotive" leben von ihrer Innovationskraft und sind sehr eng mit der europäischen Automobilindustrie vernetzt. Viele Automobilhersteller – gerade in den wichtigen Exportmärkten Deutschland und Frankreich – setzen bereits heute vermehrt auf batterieelektrische Fahrzeug- und Mobilitätskonzepte. Für die österreichischen Zulieferer gilt es schnellstmöglich und mit einer umfassenden Perspektive auf neue Wertschöpfungsmöglichkeiten zu reagieren. Werden die Potenziale der Elektromobilität effizient aufgegriffen, kann der Wirtschaftsstandort von einer Steigerung der Wertschöpfung und der Beschäftigung von rund 20% bis 2030 profitieren, wie die Studie E-Mapp 2 im Auftrag des Klimafonds zeigt. „Wir müssen uns bereitmachen für eine wirtschaftliche Neuausrichtung hin zur batterieelektrischen Mobilität. Ein gemeinsames Handeln und die damit verbundene Bewusstseinsbildung sind dafür genauso wichtig, wie die nötigen Rahmenbedingungen und die Ausbildung der Fachkräfte.“, unterstreicht Martin Russ, AustriaTech-Geschäftsführer. Dies inkludiert auch einen effizienten und ambitionierten Aufbau von Ladeinfrastruktur für batterieelektrische PKW auf Österreichs Straßen – vom innerstädtischen Bereich über Hochleistungs-Lader auf den Autobahnen bis hin zu Erleichterungen und Förderungen von Ladeinfrastruktur im Wohnbau. Und speziell das Schaffen von neuen Serviceangeboten für und rund um die E-Mobilität.

Ziel muss es sein, dass alle von der Transformation und Dekarbonisierung des Mobilitätsektors profitieren. AustriaTech unterstützt mittels Vernetzung der Stakeholder, durch ein laufendes Monitoring und aktuelle Publikationen zum Thema E-Mobilität dabei, den Herausforderungen der Mobilitätswende aktiv zu begegnen.

 

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