Zwei internationale Delegationen zu Gast in Wien
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Von Japan und Lettland nach Wien: C-ITS-Erfahrungen aus der Praxis

14.10.2026

Was im Wiener Straßenverkehr für Fahrgäste unsichtbar bleibt, stand bei zwei internationalen Delegationsbesuchen im Mittelpunkt: der digitale Austausch zwischen Fahrzeugen und Verkehrsinfrastruktur. Vertreter:innen aus Japan und Lettland informierten sich vor Ort über die Wiener C-ITS-Umsetzung, erlebten Anwendungen im laufenden Verkehr und diskutierten mit AustriaTech, der Stadt Wien und den Wiener Linien darüber, was sich aus praktischen Erfahrungen für die Weiterentwicklung kooperativer Mobilität lernen lässt.

Damit kooperative intelligente Verkehrssysteme (C-ITS) im Verkehrsalltag funktionieren, braucht es mehr als technische Lösungen: gemeinsame Standards, erprobte Anwendungen und eine enge Zusammenarbeit über Organisations- und Ländergrenzen hinweg. Wie Wien C-ITS bereits im laufenden Verkehr einsetzt, zeigten AustriaTech, die Stadt Wien und die Wiener Linien zwei Delegationen aus Japan und Lettland. Gemeinsam diskutierten sie Erfahrungen aus der Umsetzung, technische Herausforderungen und Ansätze für die Weiterentwicklung kooperativer vernetzter Mobilität.

Was im Verkehr normalerweise unsichtbar bleibt

Eine 31-köpfige Delegation der Express Highway Research Foundation of Japan sowie sieben Vertreter:innen unterschiedlichster Mobilitäts- und Planungsperspektiven aus Lettland besuchten Wien, um sich über aktuelle Entwicklungen und Erfahrungen im Einsatz kooperativer intelligenter Verkehrssysteme (C-ITS) zu informieren. Dabei ging es um mehr als die Frage, welche Technologien heute verfügbar sind. Im Mittelpunkt stand, wie C-ITS unter realen Bedingungen umgesetzt wird, und welche Erfahrungen sich daraus jeweils für andere Länder ableiten lassen.

Wien setzt dafür bereits an zahlreichen Kreuzungen auf entsprechende Kommunikationseinheiten an der Straße. Entlang der Ringstraße und des Franz-Josefs-Kais sind die Ampelanlagen mit solchen Einheiten ausgestattet; weitere Umsetzungen gibt es unter anderem entlang des Donaukanals, der Prinz-Eugen-Straße und am Landstraßer Gürtel.

Einen unmittelbaren Einblick erhielten die Delegationen bei einer eigens organisierten Straßenbahnfahrt entlang der Wiener Ringstraße. Sie machte sichtbar, was für Verkehrsteilnehmende normalerweise im Hintergrund bleibt: den digitalen Austausch zwischen Verkehrsinfrastruktur und Fahrzeugen.

Eine Straßenbahnfahrt macht C-ITS sichtbar

Über C-ITS tauschen Fahrzeuge und Infrastruktur standardisierte Nachrichten aus. Dazu gehören beispielsweise Informationen über aktuelle Ampelphasen, die einen effizienteren Verkehrsfluss unterstützen. Berechtigte Fahrzeuge, wie etwa Straßenbahnen oder Busse, können eine Priorisierung an Ampeln anfragen. Auch Hinweise auf Unfälle oder andere Gefahren können frühzeitig weitergegeben werden und so zur Verkehrssicherheit beitragen.

Damit diese Anwendungen im Verkehrsalltag funktionieren, müssen verschiedene Komponenten zusammenspielen. Die Stadt Wien stellt dafür die entsprechende Infrastruktur an Kreuzungen bereit, die von den Wiener Linien genutzt wird. Während der Fahrt zeigten die Wiener Linien, wie solche Informationen in der Straßenbahn angezeigt werden: Der Fahrer erhielt dabei einen Countdown zur aktuellen Ampelphase angezeigt. Im Hintergrund werden weitere Nachrichten übertragen, darunter Informationen zu Verkehrssituationen.

Delegation schaut sich in Fahrerkabine an, wie Nachrichten angezeigt werden.

Die Stadt Wien machte diese zusätzliche Kommunikation mit einer eigenen Visualisierung sichtbar und zeigte damit, welche Informationen im Straßenraum ausgetauscht werden.

Stadt Wien machte C-ITS einer Delegation sichtbar

Die technische Perspektive ergänzte AustriaTech mit dem C-ITS Mobile Lab. Während die Stadt Wien empfangene Nachrichten visualisierte, ermöglicht das Mobile Lab eine detaillierte Prüfung einzelner Datenelemente. So lassen sich etwa Fehler bei der Datenübertragung oder Abweichungen von technischen Standards erkennen.

Gerade diese Validierung ist für die praktische Umsetzung relevant. Denn zwischen einer technischen Spezifikation und einem zuverlässigen Einsatz im Alltag müssen Infrastruktur, Kommunikation, Fahrzeugtechnik und Anwendungen reibungslos zusammenspielen. Tests unter realen Verkehrsbedingungen helfen dabei, dieses Zusammenspiel zu überprüfen und mögliche Abweichungen zu erkennen.

So wurde aus einer Straßenbahnfahrt entlang einer der prachtvollsten Straßen Wiens eine Demonstration, wie die verschiedenen Komponenten eines vernetzten Verkehrssystems kooperieren.

Vom technischen Standard zur Anwendung

Die Demonstrationsfahrt machte damit einen zentralen Punkt der C-ITS-Umsetzung greifbar: Standardisierte Kommunikation allein reicht nicht aus. Entscheidend ist, ob die daraus entstehenden Anwendungen unter realen Bedingungen zuverlässig funktionieren und sich in bestehende Verkehrsabläufe integrieren lassen.

Genau an dieser Schnittstelle zwischen Technologie und Anwendung treffen unterschiedliche Erfahrungen aufeinander. Welche Infrastruktur ist erforderlich? Wie werden Nachrichten verarbeitet und dargestellt? Wie lassen sich Systeme testen und validieren? Und welche Lösungen lassen sich auf andere Rahmenbedingungen übertragen? Diese Fragen sind nicht nur für Wien relevant, sondern begleiten die praktische Umsetzung von C-ITS auch international.

Daher standen diese Fragen auch im Mittelpunkt des anschließenden Austauschs mit der japanischen Delegation.

Was Japan aus Wien mitnehmen kann – und umgekehrt

Nach der Demonstrationsfahrt diskutierten Expert:innen aus Japan, von AustriaTech, der Stadt Wien und den Wiener Linien aktuelle Entwicklungen rund um intelligente Verkehrssysteme, C-ITS und automatisierte Mobilität.

Auf der Agenda standen die bisherigen Erfahrungen aus der Wiener C-ITS-Umsetzung, Anwendungen für Einsatz- und Servicefahrzeuge in Brünn sowie der europäische Roll-out und zukünftige Prioritäten im Rahmen von C-Roads. Die japanische Delegation brachte ihrerseits Erfahrungen mit intelligenten Verkehrssystemen und automatisiertem Fahren auf Schnellstraßen ein.

Der Vergleich unterschiedlicher Umsetzungswege ist gerade für C-ITS relevant. Länder und Regionen stehen vielfach vor ähnlichen technischen und organisatorischen Herausforderungen, arbeiten jedoch unter unterschiedlichen Rahmenbedingungen. Erfahrungen aus bereits umgesetzten Anwendungen können helfen, eigene Lösungen weiterzuentwickeln und interoperabel zu gestalten.

Dabei wurde eine gemeinsame Herausforderung klar: Technologische Entwicklungen schreiten rasch voran, während öffentliche Verwaltungen zugleich Stabilität und Rechtssicherheit gewährleisten müssen. Umso wichtiger ist der Austausch darüber, wie neue Anwendungen zuverlässig eingeführt und gemeinsame Standards in die Praxis übertragen werden können.

Japanisch Delegation in den Räumen von AustriaTech

Auch Lettland informierte sich über Wiener C-ITS-Praxis

Sieben Vertreter:innen aus Lettland nutzten ihren Österreich-Besuch, um sich bei einer Straßenbahnfahrt über die praktische Umsetzung von C-ITS in Wien zu informieren. Der Programmpunkt war Teil eines breiteren Austauschs über technologische Entwicklungen in Österreich.

Die Delegation vereinte Fachbereiche von intelligenten Verkehrssystemen und Mobilitätslösungen über Telekommunikation, Softwareentwicklung und digitale Prozessoptimierung bis hin zu kommunaler Digitalisierung, Wirtschaftsförderung und Innovationsmanagement.

Auch hier zeigt sich die Bedeutung des internationalen Austauschs: C-ITS wird in unterschiedlichen Ländern unter unterschiedlichen technischen, organisatorischen und verkehrspolitischen Voraussetzungen umgesetzt. Der Blick auf bestehende Anwendungen kann helfen, eigene Ansätze einzuordnen, Herausforderungen frühzeitig zu erkennen und Lösungen weiterzuentwickeln.

Lettische Delegation vor einer BIM

Warum Interoperabilität mehr als eine technische Frage ist

Kooperative Mobilität ist auf Systeme angewiesen, die über organisatorische und nationale Grenzen hinweg zusammenarbeiten können. Technische Standards sind dabei eine wesentliche Voraussetzung. Ebenso wichtig ist es, Erfahrungen aus dem Betrieb unterschiedlicher Länder auszutauschen und die Anforderungen der beteiligten Akteur:innen zu berücksichtigen.

Die Delegationsbesuche machten sichtbar, welchen Beitrag praktische Demonstrationen und internationale Fachgespräche dazu leisten: Sie ermöglichen es, Anwendungen unter realen Bedingungen kennenzulernen, Fragen der Umsetzung zu diskutieren und voneinander zu lernen.

Für AustriaTech verbinden solche Delegationsbesuche damit die technische Arbeit an interoperablen C-ITS-Anwendungen mit einer weiteren Aufgabe: Erfahrungen aus der Praxis gemeinsam mit Partnerorganisationen aufzubereiten und im internationalen Austausch weiterzugeben.

Denn die Vernetzung des Verkehrs endet nicht bei der Kommunikation zwischen Fahrzeug und Infrastruktur. Sie setzt sich bei den Menschen und Organisationen fort, die diese Systeme planen, betreiben, testen und weiterentwickeln.

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